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anja

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Rezension: Deborah Harkness - Wo die Nacht beginnt

Wo die Nacht beginnt - Deborah Harkness

"Wo die Nacht beginnt" ist der 2. Band der All Souls-Trilogie und schließt nahtlos an "Die Seelen der Nacht" an. Matthew und Diana reisen in der Zeit zurück bis ins elisabethanische London, wo sie hoffen, mehr über das Ashmole 782-Manuskript zu erfahren und für Diana jemanden zu finden, der ihr hilft, ihre Kräfte zu verstehen und anwenden zu lernen. Während ihrer Abenteuer in dieser historischen Zeit lernt Diana, dass Matthew wahnsinnig viele Geheimnisse mit sich herumschleppt und sie noch längst nicht alles über ihn weiß. Die Autorin versteht es, ihren Figuren Tiefe zu verleihen, sie immer wieder innere Kämpfe mit sich selbst ausführen zu lassen und immer wieder neue Facetten an ihnen herauszuarbeiten. Das hat mir unheimlich gut gefallen. Matthew ist ein recht schwieriger und launischer Charakter, den man nur schwer einschätzen kann. Diana ist fast ebenso launisch, weswegen die beiden nicht immer gut miteinander auskommen. Zwar merkt man, dass die beiden sich lieben, doch oftmals tun sich beide schwer damit, das dem anderen auch zu zeigen, was oft auch daran liegt, dass nicht miteinander gesprochen wird, sondern erst etwas passieren muss, damit der jeweils andere sich öffnet.
Dass die Autorin Professorin für europäische Geschichte ist, merkt man hier sehr deutlich. Nicht nur die Bräuche, die Umgebung und beispielsweise Kleidung sind detailliert beschrieben, auch historische Gegebenheiten und wichtige Personen werden mit in die Geschichte integriert. So lernt Diana beispielsweise William Shakespeare kennen, ebenso wie Elisabeth I. höchstpersönlich. Diese historischen Persönlichkeiten in die Geschichte einzubringen, ist eine tolle Idee und macht das ganze noch interessanter.
Ab und an hat sich Deborah Harkness mit ihrer Liebe zum Detail allerdings ein wenig verzettelt. Grundsätzlich mag ich es sehr gern, wenn Autoren ihre Geschichten detailliert schreiben, doch hier war es mir oftmals einfach zu viel des Guten. Die Geschichte brauchte lange, um an Fahrt aufzunehmen, einfach weil ganz genau beschrieben wurde, wie der Tagesablauf einer Frau in dieser Zeit beispielsweise ist, was sicher ganz interessant sein mag, doch für den Fortlauf der Geschichte nicht unbedingt sehr wichtig erscheint. Der Spannungsbogen hatte somit kaum eine Chance, überhaupt zu entstehen und flachte immer wieder ab, wenn dann doch endlich etwas spannendes passierte. Darüber konnte mich der Einfallsreichtum der Autorin und ihr schöner Schreibstil hinwegtrösten und natürlich muss ich nun wissen, wie es mit den beiden weiter geht. Ich hoffe, die Autorin legt im Finale nochmal ordentlich nach und kann mich wieder so fesseln und begeistern, wie mit "Die Seelen der Nacht".
Fazit:
Nicht ganz so gut, wie Teil 1 der All Souls-Trilogie, aber trotzdem sehr lesenswert. Deborah Harkness verliert sich leider oft in zu vielen Details, was oftmals dazu führte, dass sich Passagen ziemlich lang hinzogen und die Spannung komplett verloren ging, die in einigen Szenen aufgebaut wurde. Ihr Ideenreichtum, die gekonnte Ausarbeitung ihrer Charaktere und die Einstreuung wichtiger historischer Persönlichkeiten lässt den Leser jedoch darüber hinwegsehen und hoffen, dass der Finale Band "Das Buch der Nacht" wieder mehr fesseln kann.