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anja

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Rezension: Michael Tietz - Apfeldiebe

Apfeldiebe - Michael Tietz

Was zuerst auffällt, wenn man anfängt, diesen Roman zu lesen, ist der doch etwas ungewöhnlich anmutende Schreibstil des Autors. An diesen muss man sich erst einmal gewöhnen, doch hat man das getan, kann man sich dem Sog der Ereignisse einfach nicht mehr entziehen. Dieser Schreibstil ist keinesfalls schlecht oder lässt sich schlecht lesen, er ist nur einfach "anders", als man es sonst so gewohnt ist. Mir hat dieser ungewöhnliche Stil allerdings wirklich gut gefallen und so hat das Lesen großen Spaß gemacht. Michael Tietz beschreibt alle Ereignisse, Orte und seine Charaktere, ebenso wie deren Eigenschaften so detailliert, wie ich es selten erlebt habe. Dabei wird es jedoch nie langweilig, sondern immer wieder staunt man, ob der fantastischen und gut durchdachten Ausarbeitung all dieser wichtigen Bereiche in diesem Buch.
Die Charaktere sind absolut unterschiedlich und jeder für sich hat viele Facetten, die erst nach und nach aufgedeckt werden. Ebenso erfährt man erst im Laufe der Geschichte, was diese Jungs schon so alles in ihrem Leben erlebt haben und warum sie so sind und handeln, wie sie das hier tun. Der Autor nimmt da absolut kein Blatt vor den Mund, schont die Leser ebenso wenig, wie seine Protagonisten und schockiert oftmals durch die Handlungen der doch recht jungen Charaktere, die manchmal erschreckend grausam handeln.
Obwohl sich der Großteil der Geschichte in der selben Kulisse abspielt, kommt keine Langeweile auf, da es wirklich interessant (und eben auch erschreckend) anzusehen ist, wie diese Kinder reagieren und verzweifelt versuchen, aus dieser Situation zu entfliehen. Ich möchte mir gar nicht vorstellen, in so eine Siuation zu geraten und wünsche es auch keinem, denn es muss einfach schrecklich sein. Immer wieder erstaunten mich das Durchhaltevermögen und der Überlebenswille der meisten Jungen und natürlich fiebert man mit ihnen mit und wünscht sich genauso sehr, wie sie, dass doch endlich Rettung nahen möge. Michael Tietz legt seinen Protagonisten dabei einige Steine in den Weg, doch die Hoffnung geben diese trotzdem nicht auf. Die Sympathien mit den Charakteren sind dabei auch nicht von Anfang an klar verteilt, denn diese zeigen im Verlauf der Geschichte oft ein ganz anderes Gesicht, als man es von ihnen erwarten würde.
Die Handlung spielt in der Nähe von Michael Tietz´ Heimat im Schwarzwald und das merkt man auch, denn er schafft es, diese Orte so zu beschreiben, dass man sie direkt vor Augen hat beim Lesen und sich vorkommt, als wäre man selbst auch schon dort gewesen. Auch die Atmosphäre vor den Ereignissen ist greifbar und man fühlt sich ein wenig in seine eigene Kindheit zurückversetzt, wenn die Sommerferien gerade begonnen haben und man voller Vorfreude und Erwartungen in diese startet und keinen Gedanken mehr an die Schule verschwendet.
Da ich so begeistert und auch überrascht von diesem Buch bin, möchte ich nun unbedingt auch den Debütroman "Rattentanz" des Autors lesen, denn auch dieser klingt ganz nach meinem Geschmack.
Fazit:
Michael Tietz konnte mich absolut fesseln mit seinem außergewöhnlichen Schreibstil, seinen gut ausgearbeiteten Charakteren, einer spannenden und gut durchdachten Handlung, immer wieder überraschenden Wendungen und einigen schockierenden Momenten, die nichts für zarte Gemüter sind.